Wie DMX vom Pult per Netzwerk in einen Visualizer geht, welche Adressen und Universen einzustellen sind, warum das Bild meist wegen einer Verschiebung um eins leer bleibt und was der Bildschirm prüft.
Art-Net und sACN sind DMX über Ethernet. Nicht „eine Art, mit einem Node zu
sprechen", sondern dieselben 512 Bytes pro Universum, verpackt in ein
UDP-Paket.
Einem Visualizer ist es egal, woher das Paket kommt. Er sieht
Universumsnummern und Kanalwerte — genauso, wie sie ein Dimmer oder ein
Moving Head sähe. Pult, Node, Testprogramm oder Ihr Laptop sind für ihn
nicht zu unterscheiden.
Deshalb versteht sich jedes Pult mit Netzwerkausgang mit jedem Visualizer
mit Netzwerkeingang. Es gibt nichts zu „integrieren" und kein Plug-in zu
installieren: Beide Seiten setzen denselben veröffentlichten Standard um,
und das ist der ganze Mechanismus.
Ein Rechner: 127.0.0.1
Der einfachste Fall, und damit sollten Sie anfangen. Pult und Visualizer
laufen auf derselben Maschine, und die Pakete verlassen sie gar nicht erst.
In Flux Lights: Einstellungen → Netzwerkausgabe, einen Art-Net-Ausgang
anlegen, Node-IP 127.0.0.1. Das ist die Loopback-Adresse, die eigene
Adresse des Rechners: Sie existiert immer und hängt weder an einem Kabel
noch an einem Router, einem WLAN oder der IT-Abteilung.
Im Visualizer den Eingang auf Art-Net stellen und, falls er nach einer
Schnittstelle fragt, die lokale wählen (meist als 127.0.0.1 oder
localhost angezeigt).
Zwei Dinge sind an Loopback nützlich zu wissen. Eine Bandbreitengrenze, die
hier eine Rolle spielen würde, gibt es nicht — zwanzig Universen sind kein
Problem. Und sie ist immun gegen alles, was ein Netzwerk in der Location
sonst zerlegt: Da ist nichts auszustecken und nichts falsch zu routen.
Wenn die Windows-Firewall nach Netzwerkzugriff fragt, erlauben Sie ihn.
Loopback-Verkehr wird meist von vornherein durchgelassen, aber eine strenge
Richtlinie blockiert auch ihn.
Zwei Rechner: statische Adressen
Manchmal läuft der Visualizer auf einer zweiten Maschine — der stärkeren
oder schlicht der, auf der die Lizenz liegt. Dann ist es ein echtes Netzwerk
und braucht echte Adressen.
Vergeben Sie beiden Maschinen statische Adressen im selben Subnetz. Art-Net
lebt historisch in 2.0.0.0/8, das klassische Paar ist also 2.0.0.1 fürs
Pult und 2.0.0.2 für den Visualizer, Maske 255.0.0.0. Der Bereich
10.x.x.x funktioniert genauso und ist bequemer, wenn über dasselbe Netz
noch anderes läuft.
Schalten Sie DHCP auf dieser Schnittstelle ab. Eine automatisch vergebene
Adresse ändert sich genau an dem Tag, an dem Sie am wenigsten darüber
nachdenken möchten.
Unicast ist die sauberere Variante. Tragen Sie die Adresse des
Visualizers als Node-IP ein, dann gehen die Pakete an diese Maschine und an
keine andere. Broadcast (255.255.255.255) funktioniert ebenfalls und ist
manchmal der schnellste Weg zu prüfen, ob überhaupt etwas ankommt — aber er
überschüttet jedes Gerät am Kabel mit Dutzenden Universen zu 40 Frames pro
Sekunde, und die übrige Technik in diesem Netz dankt es Ihnen nicht.
Universumsnummern: hier bricht es bei allen
Bleibt der Visualizer schwarz, schauen Sie zuerst hierhin, vor allem
anderen.
Art-Net zählt Universen ab null. Das erste Universum ist 0. Viele
Programme — Pulte, Visualizer, Patchlisten — zeigen Universen ab eins, weil
Menschen so zählen. Beide Seiten haben recht, und zusammen ergeben sie eine
Verschiebung um eins.
Universum 1 des Pults geht also als Art-Net-Universum 0 hinaus, während der
ab eins zählende Visualizer es in seiner Zeile 1 erwartet — dort kommt aber
Universum 1 der Leitung an, also das zweite Universum des Pults.
In Flux Lights hat der Ausgang das Feld Basis: das Geräteuniversum, ab
dem der Bereich beginnt. Für Art-Net ist die Vorgabe 0, die internen
Universen 1..n gehen als 0..n-1 hinaus. Für sACN beginnt die Basis bei
1, weil sACN ab eins zählt.
Die Faustregel: Ist das Bild leer, verschieben Sie die Basis um eins in eine
Richtung und schauen erneut. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle war das
schon das ganze Problem. Prüfen Sie das, bevor Sie den Patch neu bauen oder
irgendetwas neu installieren.
Prüfen, dass Daten ankommen
Und zwar bevor Sie zu programmieren anfangen, nicht nachdem das erste Cue
nicht funktioniert hat.
Fahren Sie ein Gerät auf voll — Dimmer 100 %, und öffnen Sie den Shutter,
wenn das Profil einen hat. Dann schauen Sie auf den Bildschirm. Hat sich
etwas bewegt, geleuchtet oder die Farbe gewechselt, funktioniert die Kette,
und alles Weitere hängt nur noch an Ihrem Patch und Ihren Cues. Ist nichts
passiert, liegt das Problem am Transport, und dafür gibt es genau drei
Stellen: die Adresse, die Universumsnummer oder eine Firewall.
Eine halbe Minute jetzt spart eine Stunde Programmieren ins Leere, und das
ist der teure Fehler: Dass die Show nie jemand empfangen hat, merkt man,
wenn sie schon fertig ist.
Eine Sache lohnt sich noch: dass wirklich das Gerät geleuchtet hat, das Sie
erwartet haben. Der Patch ist die zweithäufigste Ursache für ein falsches
Bild, gleich nach der Nummerierung der Universen.
Welche Visualizer Art-Net annehmen
Praktisch alle, denn es ist die gemeinsame Sprache der Branche. Von denen,
die einem begegnen: Capture, L8 (l8.ltd), Depence, MA 3D, WYSIWYG,
Vectorworks Vision.
Die meisten haben eine kostenlose oder eine Demo-Version, meist begrenzt
durch die Zahl der Geräte — häufig einige Dutzend. Zum Vorprogrammieren
einer Clubshow oder eines mittleren Konzertsets reicht das oft, und
ausprobieren kostet nichts.
Welchen Sie nehmen, beantwortet dieser Artikel nicht: Sie unterscheiden sich
in Bildqualität, Gerätebibliothek, Preis und Arbeitsgefühl, und die Wahl ist
Ihre. Die oben beschriebene Mechanik ist bei allen dieselbe.
Was ein Visualizer zeigt und was nicht
Er zeigt Richtung, Farbe, Gobo, Timing. Er prüft also die Logik der
Show: Läuft der Chase in die richtige Richtung, trifft der Farbwechsel den
Schlag, ist die Blende zu langsam, lässt ein Cue ein Gerät an, das dunkel
sein sollte, lesen sich die Positionen als Bild oder als Durcheinander.
Das ist der größte Teil der Programmierarbeit — und genau der, für den im
Saal die Stunden fehlen.
Das Einleuchten nimmt er Ihnen nicht ab. Die Winkel im Visualizer stammen
aus Ihrem Modell des Saals, und das Modell ist nie der Saal: Die Traverse
hängt einen halben Meter tiefer, das Gerät sitzt in anderer Neigung, der auf
den Sänger gerichtete Strahl landet auf dem Schlagzeugpodest. Die Positionen
müssen vor Ort nachgezogen werden — alle.
Er sagt Ihnen auch nicht, dass ein Kopf gegen die Traverse fährt, dass ein
Strahl die erste Reihe blendet und dass der Nebel in die falsche Richtung
zieht. Und wie die Geräte tatsächlich aussehen, zeigt er ebenfalls nicht:
Helligkeit, Strahlkante und Farbe auf der Bühne hängen vom Saal, vom Nebel
und vom Auge ab, und so ehrlich rendert niemand.
Weniger nützlich wird er dadurch nicht. Es ändert sich, womit Sie anreisen:
statt leerem Pult und vier Stunden Arbeit eine fertige Show, bei der
Positionen zu korrigieren und Timings an den echten Saal anzupassen sind.
Das ist ein völlig anderer Abend.
Der eingebaute 2D-Visualizer
Flux Lights hat eine eigene Visualisierung — den Reiter Bühne. Er
zeigt die Anordnung, die Strahlrichtung, die Farbe und den Zustand jedes
Geräts im Grundriss.
Das genügt, um bei den Geräten nicht durcheinanderzukommen: Man sieht,
welchen Kopf man ausgewählt hat, dass die Gruppe richtig gefasst ist, dass
die Farben in der gewünschten Reihenfolge über die Reihe laufen. Im Alltag
schauen Sie genau darauf.
Ein fotorealistisches Rendering ist es nicht und soll es nicht sein. Es gibt
keinen Saal, keinen Nebel, keinen Strahl in der Luft, keinen Blick vom
Zuschauerplatz. Wenn Sie sehen müssen, wie sich die Show aus der zehnten
Reihe liest, ist das die Aufgabe eines externen Visualizers — und genau
dafür gibt es die Netzwerkausgabe.